Back to Tangibles – das neue Ideal materieller Werte




Mit dem Gefühl der Entfremdung, das mit der Digitalisierung des Alltags aufkommt, wächst die Faszination an allem, was man anfassen kann und dessen Funktionsweise zu durchschauen ist. Handwerk, Mechanik und das reine Material sind die Zukunftswerte auch in der Einrichtungskultur.

Der wahre Luxus sind heute nicht mehr Hightech, futuristisches Design, funktionelle Kunstfasern, goldene Wasserhähne oder elektrisch verstellbare Fernsehsessel. Wer heute repräsentieren oder einfach nur gut leben will, umgibt sich mit einfachen, aber qualitativ hochwertigen Dingen wie Massivholzmöbeln in klassischem Design, handgesäumten Bezügen und handgepolsterten Sofas; er bettet sich auf Wolle und Leder, sitzt auf echten Originalen und steht auf handgeknüpften Teppichen in modernem Design.

Nicht umsonst wächst im digitalen Zeitalter die Faszination für mechanische Uhren, die eben nicht mit höchster Effizienz, sondern mit höchster Kunstfertigkeit und viel, viel Zeit hergestellt werden. Bei all den Nullen und Einsen, die unser Leben durchorganisieren und auch noch für unsere Unterhaltung sorgen, sehnen wir uns nach durchschaubaren, nachvollziehbaren Zusammenhängen. So sehr uns die Blackbox der Digitalisierung fasziniert, so sehr wünschen wir uns den einfachen Schlüssel mit Bart, das selbstgebackene Brot, das selbst zusammengebaute Regal zurück. Der DIY-Trend, die Lust an Naturmaterialien, die wiederaufkeimende Camping-Bewegung und die aktuellen Trends von Country Kitchen-Look bis Outdoor Living sind Indizien für die Sehnsucht nach authentischen sinnlichen Erlebnissen – und zwar gar nicht so sehr im Abenteuer-Urlaub, sondern zuhause im Garten, in der Küche, im Wohnzimmer. Das Materielle wird angesichts der zunehmenden Virtualität im Alltagsleben zum sinnlichen Luxus, und die Wertschätzung des Handwerks steht für die Wiederentdeckung der Welt, die man berühren kann.


Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.