Die Lust am Schieben

Schiebetüren können nicht nur Kleiderschränke verdecken, sondern ganze Räume strukturieren. Der Wunsch nach offenen Wohnformen unterstützt den Trend zum Schieben.

Was die Bedienung hochwertiger Kleider- und Küchenschränke, Türen und Sideboards so leicht macht, sind raffinierte Beschläge. Von unsichtbarer Hand und mit einem satten Geräusch schwingt die Tür in ihre Position. Sogar Schränke mit elektrischer Öffnungsunterstützung haben sich inzwischen schon fast auf dem Markt etabliert: Ein kleiner Kraftspeicher unter dem Schrank versetzt dem Auszug von hinten einen kleinen Schubs, und schon federt die Schublade nach vorne, egal, ob die Mechanik durch Antippen der grifflosen Front oder durch leichtes Ziehen am Griff ausgelöst wird. Dabei wird die Öffnungsautomatik gerne mit einem adaptiven System zum sanften Schließen von Türen, Klappen und Auszügen kombiniert, die verhindern helfen, dass zugeschlagene Schubladen oder Türen im Ehekrach enden.

Doch mittlerweile setzt sich eine alternative Bewegungsform immer stärker durch: das Schieben. Konsumenten und Hersteller entdecken die Freude am handgetriebenen Seitwärtsschwung – ob als Schiebetür am Auto, auf Tablet-PC’s oder Smartphones. Aber auch bei den vier Wänden zu Hause oder im Büro verführen Schiebetüren im Möbel oder als Raumteiler immer mehr User zu manueller Aktivität. Und dafür sprechen auch gute ästhetische Gründe, denn Schiebetüren eröffnen vielfältige Möglichkeiten der puristischen Möbelgestaltung und für die Innenarchitektur. Hinzu kommen Vorteile wie hervorragende Raumnutzung sowie ergonomischer und barrierefreier Zugriff auf versteckte Schränke, Nischen oder Raumteile.

Die Vorteile liegen in der Hand: Schiebetüren stehen im geöffneten Zustand nicht im Weg wie ihre geklappten Türen, sind platzsparend zu öffnen und zu schließen und eignen sich besonders für barrierefreies Wohnen. Schiebetüren punkten vor allem bei den Themen Ergonomie, Funktionalität und Design.

Offene Wohnstrukturen, wie etwa Lofts oder die Rekultivierung von alten Industrieflächen zum Wohnraum, verhelfen zudem der Schiebetür zu neuem Glanz. In diesen offenen Räumen besteht einfach die funktionale Notwendigkeit, Nutzungs- und Klimazonen abzutrennen oder zu separieren. Die Kombination von Schlafzimmer und Badezimmer erscheint immer mehr Bauherren nicht nur bequem, sondern auch schick und luxuriös. Das Problem ist jedoch das Aufeinandertreffen zweier Klimazonen: Während die meisten Menschen zum Schlafen eine kühle Temperatur bevorzugen, benötigt man im Bad Wärme und muss die Feuchtigkeit ableiten. Schiebetüren- und Wände können hier trennen und vermitteln, ohne die großzügige Optik auf Dauer zu verbauen.

Ein interessanter Aspekt der Schiebetür ist daher ihre Zwischenstellung – ist sie doch halb Möbel, halb Architekturelement. Besonders deutlich wird dies bei Produkten, die das Türblatt in der Wand verschwinden lassen. Mit einer Schiebetüre lässt sich etwa ganz komfortabel die Büronische im Gästezimmer, die Kochecke im Wohnzimmer oder das Bad vom Waschraum oder vom Schlafzimmer abtrennen. Und auch die Elektrifizierung macht nicht Halt vor den Türen, deren durch sanftes Anschubsen ausgelöstes Weggleiten nach links und rechts so viel kindlichen Spieltrieb in uns zu wecken vermag.

 

Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.