Luxus zwischen Perfektion und Authentizität

Möbel und andere Einrichtungsobjekte sind heute so etwas wie Visitenkarten. Ihre Einzigartigkeit wird zum Kriterium für Originalität in unserer individualistischen Gesellschaft.

Eine Tischplatte, die aussieht wie frisch gehobelt und geglättet. Ein Tischchen mit exotisch anmutenden Intarsien. Ein Sofa mit kunstvoll handumsäumter Polsterung, versehen mit dem Signatur-Kürzel der indischen Näherin. Filigrane Möbelkonstruktionen mit feinsten Furnieren neben einem Massivholz-Esstisch aus alten Bohlen auf Eisengestell. Omas riesengroßer Ohrensessel neben kleinen Cocktail-Sesseln im Stil der 50er-Jahre. Und immer wieder Möbelklassiker, original mit kleinen Macken oder in farbenfrohen Re-Editionen: So zeigt sich der Trend zur Individualisierung von Möbeln – ein Trend, dem man sowohl auf dem Flohmarkt wie in den exklusiven Möbelgalerien nachspüren kann.

Individuell konfigurierbare Regalsysteme, Polstermöbel und Einbauten sind nichts Neues im Einrichtungsbereich. Doch das reicht heute nicht mehr. Anspruchsvolle Kunden wollen etwas Besonderes, mit dem sie sich identifizieren und über das sich mit ihren Gästen unterhalten können:

Ist das ein Original-Bauhaus-Hocker? Ist das Massivholz, oder ist die Maserung das Ergebnis einer raffinierten Prägetechnik? Am Ende ist vielleicht nur der niedrige Hocker neben dem Sofa aus massivem Kernholz. Seine Oberfläche ist zwar glatt poliert wie ein Babypopo, doch seine Pilzform scheint zu sagen: „Ich bin aus dem Wald, bring mich zurück.“ Ein Bild drängt sich dem Betrachter auf: Vermutlich stand er gleich neben der Eiche, deren Baumscheibe nach dem Waldspaziergang zu dem modernen Couchtisch mit dem minimalistischen Edelstahlgestell umfunktioniert wurde. Und wo habt ihr diesen Großvaterstuhl her? Wohl im selben Möbelhaus gefunden, was? Haha! Ach, der ist wirklich von Ihrer Oma? Sorry, aber wer soll sich da noch auskennen?

Wer mit dem Trend geht, vermeidet komplett homogene Kollektionen. Stattdessen versammelt er um seinen Esstisch eine bunte Mischung aus exklusivem Neukauf, Erbstücken, Vintage-Erwerbungen und Flohmarktfundstücken. Hauptsache, die stillen Mitbewohner haben etwas zu erzählen. Vielen Kunden reicht es nicht mehr, dass ihre Discounter-Möbel einen witzigen Namen tragen; Sie wollen ein Möbel mit Individualität, etwas „mit Charakter“. Produkte mit kleinen Eigenheiten, authentische Einzelstücke und individualisierbare Möbel und Möbelsysteme haben daher Konjunktur.

Dabei gibt es viele Möglichkeiten, Charakter zu zeigen. So sind Luxus und Extravaganz wieder allgemein akzeptierte Ausdrucksformen für die Liebe zum Besonderen. Exklusive, vielleicht sogar handgefertigte Qualität in perfekter Verarbeitung und aus hochwertigen Materialien haben da einiges zu bieten. Natürlich haben alte Möbel die Nase vorn, wenn es darum geht, eine Geschichte zu erzählen. Diese Wertschätzung überträgt sich aber auch auf die Form und den Stil neuer Möbel. Die Aufmerksamkeit der Designer richtet sich daher immer öfter auf Details wie Oberflächen- und Materialbeschaffenheit oder auch Beschläge.

Hightech und alte Formen, altes Material und neue Fertigungstechniken gehen dabei Hand in Hand. Gerade die aktuellen Trends im Vorfeld der imm cologne 2014 zeigen, wie charakterstarke, strukturbetonte Oberflächen – seien sie natürlich oder nicht – dem Wunsch der Konsumenten nach dem Echten nachkommen. Nach Möbeln mit einer Geschichte.

 

Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.