Räume zum Experimentieren

In dem Interview beschreibt Louise Campbell Ihre Ideen zur Umsetzung von „Das Haus“ auf der imm cologne 2014 und verrät dabei auch Persönliches.


Louise Campbell ist für schöne Lampen und Accessoires, filigrane Sessel und dekorative Interieurs bekannt. Mit Ihrer Inszenierung von „Das Haus – Interiors on Stage“ auf der imm cologne 2014 wird sie der Designwelt eine andere Seite zeigen. Sie schöpft dabei in jeder Beziehung aus dem Vollen: „Das Haus“ wird mit verschobenen Größenverhältnissen, einem für große Räume erdachten Lichtkonzept und einem konzeptionellen Ansatz überraschen, der Maße und Messinstrumente zum Thema macht. Der dänischen Designerin geht es dabei aber nicht nur um Maße, sondern um das – richtige – Maß der Dinge.
 

Was verstehen Sie unter „ein Haus zum Maßnehmen“?

„Das Haus“ handelt vom Wechsel der Geschwindigkeiten wie auch vom Wechsel des Maßstabs. Der Titel “0-100. (Made to measure.)” bezieht sich auf die Akribie, mit der wir Designer arbeiten, um etwas perfekt und auf den Millimeter genau hinzukriegen. Er bezieht sich darauf, dass meine Version von „Das Haus“ auf die leicht ungewöhnlichen Dimensionen des vorgegebenen Raums maßgeschnitten ist. Er bezieht sich auf Messinstrumente, weil man sie bei näherem Hinsehen in fast allen Räumen einer Wohnung– in Küchen, Bädern und Arbeitsräumen – findet. Er bezieht sich stark auf das Maßnehmen und Abwägen von Prioritäten, um im Leben eine Balance zu finden, obwohl wir täglich umschalten müssen zwischen höchster Aktivität und absoluter Ruhe. Und „Das Haus“ ist eine Plattform für Präzision und Sicherheit, denn eine verlässliche Basis gibt einem die Freiheit, so ziemlich alles zu tun, was man will.

Was verrät „Das Haus“ über Ihre persönliche Art zu wohnen?

Ich wünsche mir ein Haus, in dem ich meinen Stimmungen nachgeben kann; in dem es sich genauso gut anfühlt, alleine zu sein, wie mit 40 Gästen. Ein Haus, das sich während des Tages ganz anders anfühlt als in der Nacht. Ich kann in einer statischen Umgebung nicht gut leben. Ich habe schon in mehr als 30 Häusern gewohnt, weil ich ständig meine Meinung ändere und immer wieder etwas Neues ausprobieren will. Doch die meisten Wohnungen sind erstaunlich statisch: Stühle und Tische müssen immer am selben Platz stehen, und es ist schwierig, sie zu versetzen. Und auch 99 Prozent der Designvorschläge für Einrichtungszwecke legen Platzierungen und Nutzungen ziemlich fest. In „Das Haus“ will ich versuchen, diese Fixierung aufzubrechen. Es zeigt, dass Räume und Möbel weniger eine Fixierung als eine Basis für Funktionen sein können.

Ist Ihr „Haus“ eher ein Museum oder darf man es auf der imm cologne 2014 auch begehen?

Jeder ist eingeladen, reinzukommen und sich irgendwo fallen zu lassen. Ich mag keine sterilen Räume. Wenn alles das zu perfekt ist, fühle ich mich nicht wohl, fühle ich mich nicht zuhause. Deshalb gibt es in „Das Haus“ auch Stellen mit Fehlern und Macken – damit niemand Hemmungen hat, „Das Haus“ zu betreten. Es ist einfach persönlicher.

Was werden die Besucher mit nach Hause nehmen?

Was mir an meinem „Haus“ am besten gefällt, ist, dass es so viel Platz für das Bett gibt. Wo ich wohne, wechsle ich ständig das Bett: Ich schlafe hier oder da, ich schlafe überall, selbst im Studio. Ich liebe die Überraschung am Morgen beim Aufwachen. „Das Haus“ ist eine Aufforderung, zu schlafen wo man will. Es ist wahr, vieles darin ist fest installiert, aber gerade diese radikalen Entscheidungen ermutigen zur Flexibilität und dazu, mehr zu vermischen. Lasst uns die Territorien öffnen. Es gibt kein Schlafzimmer, keine Küche, ja noch nicht mal ein richtiges Badezimmer, aber dafür gibt es viele flexible Räume zum Experimentieren, um den Horizont zu erweitern.

Redaktionshinweis:

Umfangreiches Bild- und Textmaterial über „Das Haus“ ist im Newsroom der imm cologne zu finden.

 

Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.