Die neue Eleganz im Luxus

Die Design-Welt jenseits der „Weniger-ist-mehr“-Doktrin hat Stil, Selbstbewusstsein und Erfolg. Luxus-Marken zeigen, was im Einrichtungssektor alles geht, wenn Möbel Reichtum an Formen, edlen Materialien und Details zeigen dürfen.




Goldene Wasserhähne und Deckenlüster – dieses Image vom luxuriösen Lifestyle kann wohl als überholt gelten. Heute assoziieren die meisten Menschen weniger Opulenz als Bauhaus-mäßige Schlichtheit und mehr oder weniger klassische Designobjekte mit Luxus. Man träumt von einem sorgenfreien, komfortablen Lebensstil, der lieber das Understatement als die große Geste pflegt. Und doch hat sich jenseits dieser ästhetisch wie sozial definierten Konvention eine andere Luxus-Kategorie etabliert: die neue Eleganz.

Sie wächst in dem Maße, wie die Marktsegmente auseinanderwandern. Im Einrichtungssektor bedeutet das Auseinanderklaffen der Segmente nicht nur gute Zeiten für Billigmöbel, die nur ein paar Jahre halten sollen, sondern gibt auch dem Markt für Möbel im High-End-Bereich Auftrieb, die ein wachsendes Bedürfnis an Differenzierung vom klassischen Luxus befriedigen können. Während hochwertige Sortimente mit traditionellen, Norm-orientierten Designkonzepten zunehmend um sicher geglaubte Marktanteile kämpfen müssen, boomen Möbel und Wohnaccessoires für einen exklusiven Lifestyle, der in ausgefallenem Design, Raffinesse und außergewöhnlich hochwertigen Materialien und Verarbeitungsqualitäten Ausdruck findet.

Entsprechend bauen klassische Luxusmarken ihre Angebote aus – und zwar auch solche, die bislang wenig oder gar nicht in der Einrichtungsbranche zuhause waren. Sie kommen aus der Mode, aus dem Schmuck- oder Automobilbereich. So bietet Bentley eine Home Collection an, und auch bei Fendi oder Trussardi gibt es inzwischen eine Casa-Linie. Um dem wachsenden Luxus- und Komfort-Segment Raum zu schaffen, wird auf der nächsten internationalen Einrichtungsmesse imm cologne im Januar 2015 der Pure-Bereich in die Halle 10.1 ausgedehnt. Der Trend ist klar: In Zukunft darf es auch mal ein wenig mehr sein.

Während klassische Luxus-Marken der Branche wie die Italiener Cassina und Minotti oder der Schweizer De Sede eher auf minimalistisches oder doch zumindest schlicht-zeitloses Design setzen, zeigen die Designs der Prestige-Marken einen Hang zum Ausgefallenen, Besonderen. Und das nicht nur optisch.

Aufwändige Verarbeitung in handwerklicher Qualität wird hier zum USP. Handgenähte Steppnähte, zum Teil von den Nähern signiert, und ausgefallene Polster- und Lederverarbeitungen oder auch Furnierarbeiten, die an Kunsthandwerk erinnern, sind Details, die der Kenner gerne bezahlt, um ein Möbel zu erhalten, das den Charakter eines Einzelstücks besitzt. Auch die Materialqualität zeigt sich im Detail, etwa bei feinen Lacken und Hölzern sowie edlen Stoffen und hochwertigem Leder.

Ästhetisch legt sich dieser Stil nicht auf eine klassische Designtradition fest. Vielmehr sucht er nach einem eigenen, eklektischen Ausdruck. Entsprechend üppig und anspielungsreich wird hier mit Formen, Materialien und Farben gearbeitet. Erst die Summe aus extravaganten Formen, eleganten Materialien und detailreicher Verarbeitung macht die eigentliche Opulenz dieser Luxus-Sortimente aus.


Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.