Qualität durch Handwerk




Handwerk hat Tradition. Auch oder gerade in der Möbelherstellung. Denn viele heute mittelständige Betriebe haben ihren Ursprung in kleinen Schreinerwerkstätten. Und auch große Unternehmen setzen – zumindest in Teilen – auf die Verquickung von industrieller Herstellung und handwerkliche Fertigung. Besonders dann, wenn es um die individuelle Anpassung von eigentlich maschinell gefertigten Möbeln geht. Gerne wird mit Attributen wie handwerkliche Verarbeitung, traditionelle Handwerkskunst oder Möbelmanufaktur geworben. Sie sollen den Produkten eine besondere Qualität und den Unternehmen einen besonderen Qualitätsanspruch verleihen. Wir zeigen, wo noch richtig handwerklich angepackt wird.

Ein Beispiel für die Einbindung der Handwerkskunst ist das noch recht junge Kölner Designlabel Lasfera, das seine Entwürfe ausschließlich in kleinen Betrieben fertigen lässt – egal, ob es sich dabei um einen Bambusflechter in China, einen Steinmetz in Italien oder einen Holzdrechsler in der Eifel handelt. Die so gefertigten Produkte sind – entgegen der industriellen Massenproduktion – niemals vollkommen identisch. Und genau das soll die besondere Qualität der Kollektion ausmachen und den Produkten einen individuellen, authentischen Charakter verleihen.

Große Label – große Tradition

Doch auch die Großen der Branche setzen immer wieder auf traditionelle Verarbeitung und zeigen, etwa bei Re-Editionen, gerne Gegensätze auf. So wie Walter Knoll bei seiner Re-Edition des Haussmann-Sessels. Um das bei einem Chesterfield-Möbel charakteristische Rautenmuster in Sitz und Rücken zu bringen, setzt das Unternehmen auf die traditionelle Polstertechnik des Kapitonierens: die Knopfsteppung. Ein moderner Kontrast zeigt sich dann am filigranen Gestell der Füße – einer Hommage an das Bauhaus. Der Sitzkomfort und das schlanke Stahlrohr sollen traditionelles Handwerk und raffinierten Metallbau miteinander verbinden. 

Aber nicht nur bei der Herstellung der Produkte wird Wert auf die handwerkliche Qualität gelegt. So betont der Polstermöbler Brühl etwa mit seinem Oliva-Leder des Zulieferers Heller-Leder (einem Leder, das auf natürliche Weise mit Olivenblatt-Extrakt gegerbt wird) extra die handwerkliche Verarbeitung des Materials, das durch seine lebendige Struktur und Farbe die charakteristische Gestalt der Modelle akzentuiert.

Geflochten-Handgeflochtenes

Doch auch wenn die Produktion überwiegend maschinell verläuft, setzten viele Betriebe gerade bei speziellen Techniken lieber auf Menschenhand als auf industrielle Verarbeitung. So bestehen beispielsweise die für die Re-Edition der Kollektion Ferdinand Kramer von e15 gefertigten Sitzflächen aus handgeflochtenem Gewebe. Und auch die 350 Meter lange Leine, die für den Outdoor-Sessel Fifty des französischen Möbelherstellers Ligne Roset benötigt wird, ist von Hand um die schwarze Metallstruktur geflochten.

Ganz dem Handgeflochtenen hat sich Schütz Flechtwelten verschrieben. Im Gegensatz zu anderen Flechtmöbeln, die an den kritischen Verbindungspunkten mit Nägeln oder Schrauben zusammengefügt werden, verwendet Schütz ausschließlich bewährte Handwerkstechniken, um die Möbelteile miteinander zu verleimen. Denn wo Nägel oder Schrauben verschleißen, brechen oder ausleiern können, sieht das Unternehmen in der Technik von Zapfen, Dübeln oder Leimens eine besondere Stabilität.

Handarbeit für die Küche

Nicht nur im Wohnbereich steht die Handwerkskunst hoch im Kurs. Auch Küchenhersteller setzen auf Handgemachtes. Besonderes will in dieser Hinsicht Paxmann.Design liefern. Die Bonner Manufaktur plant und produziert Küchen ganz individuell – ohne Normen und Standardmaße. Die Küchen sollen sich an die Räumen und Wünsche der Kunden anpassen. Und so kann es vorkommen, dass ein Produkt selbst physikalischen Gesetzen trotzen will – scheint doch der Corpus der Küchenzeile auf der Spitze eines Winkelschenkels zu schweben.


Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.