Schöner Baden

Auch im Bad geht es heute vor allem um Möbel und Einrichtungskonzepte


Ausgerechnet der Raum, der jahrzehntelang in der Hierarchie der Wohnräume gleich nach der Abstellkammer kam (und auch ähnlich liebevoll ausgestattet wurde), bietet zurzeit die spannendste Performance: das Bad. Denn was vormals der Inbegriff von 08/15-Gestaltung war, scheint heute in keine Schublade mehr zu passen: Wasserfeste Waschstation oder ästhetisch durchgestylter Meditationsraum? Kuschelzone zum Relaxen, dampf- und lichttherapeutisch bespielter Gesundheitstempel, spritziger Fitnessraum oder kerzenschimmernde Wellness-Oase? Spaßbad mit iPod-gesteuertem Sound oder schlicht das Zentrum für die allmorgendliche Familienzusammenführung – das Bad vereint so viele Funktionen wie sonst kaum ein anderer Teil der Wohnung. Und es führt zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört: Wasser, Holz, Textilien und elektrische Geräte.

Das Bad wird zum Schnittpunkt des Interior Designs

Damit stellt das Bad auch immer höhere Ansprüche an die technische und gestalterische Qualität. Immerhin werden hier die unterschiedlichsten Produktbereiche zu einer neuen Raumkategorie zusammengeführt, in der die kostbar gewordenen Momente der Intimität und Entspannung bewusst gelebt werden können. Wasserfeste Lounge-Möbel, Parkett und Wandputz, Regendusche und Wandkamin müssen unter einen Hut gebracht werden. Die Inszenierung von Wasser durch Designarmaturen und Lichteffekte ist das beste Beispiel für das Entstehen neuer Produktkonzepte durch die Aufwertung des Badezimmers. Vor allem aber repräsentiert das moderne Baddesign die Verschmelzung der Wohnbereiche. Bad und Schlafzimmer, Bad und Wohnraum wachsen ähnlich wie Küche und Wohnzimmer zu einer Einheit zusammen, in der unterschiedliche Funktionen, bauliche Anforderungen und ästhetische Konzepte einander angepasst werden.

Entgrenzung der Wohnbereiche

Warum soll im Badezimmer kein Holz verwendet werden, wenn es doch in der übrigen Wohnung tonangebend ist? Wenn Rot Ihre Lieblingsfarbe ist, warum soll man das Ihrer Badewanne nicht ansehen? Wenn die Körperpflege zum lieben Ritual wird, warum dann nicht im Schlafzimmer eine Schminkkonsole mit Waschbecken in alter Tradition und modernem Design vorsehen – gleich neben dem Durchgang zu Ankleide und Badewannen-Rondell? Warum alles an der Wand entlang aufreihen, wenn es doch so schöne Badprodukte gibt, die sich in der Mitte des Raums wie kostbare Skulpturen ausnehmen? Das Wohnen hört nicht hinter der Badezimmertür auf – warum dann also nicht auch das Bad so einrichten wie die übrige Wohnung? Mit Sanitärobjekten, die wie Möbel wirken, und mit Möbeln, die zum Entspannen einladen. Mit einer Sauna, die sich nahtlos ins Interieur fügt, mit viel Platz für die Familie, mit einem komfortablen Raum für sinnliche Stunden zu zweit oder mit einem gestylten Plätzchen für ein Treffen mit den Freundinnen.

Badsortimente machen eine Interior Design-Messe erst komplett

Dieser Art der Begegnung und der gegenseitigen Inspiration nachzuspüren werden auch die Messebesucher der internationalen Möbel- und Einrichtungsmesse imm cologne 2014 Gelegenheit haben. Denn das Messeformat „LivingInteriors“ ermutigt Wegbereiter der Sanitärbranche, ihre Modelle für das „Wohnen im Badezimmer“ zu präsentieren. Hierzu haben sich bereits zahlreiche namhafte Sanitärmarken wie zum Beispiel Grohe, Juma or Samsung Chemical Europe angekündigt. Doch auch an anderen Orten der internationalen Einrichtungsmesse ist ungewöhnlich viel Bad im Kontext von Interior Design zu sehen – so etwa im „Pure Village“, wo in einer kleinteiligen, städtisch anmutenden Messearchitektur unterschiedliche Sortimente des Interior Designs nebeneinander ausgestellt werden, um so die gegenseitige Verzahnung und die ästhetische Interaktion von Möbeln und Licht, Wohntextilien, Tapeten, Accessoires und eben auch Badarchitektur, Badmöbeln und wasserführenden Objekten hervorzuheben. Dem designinteressierten Publikum, Architekten und Planern erschließt sich so eine ungewohnte Perspektive auf die Bausteine des Interior Designs.

Und auch in der Szene-Halle 3.2 mit dem jungen Messeformat Pure Editions findet sich das Thema Badezimmer wieder, etwa bei Hansgrohe mit der auf Armaturen und Komplettbäder spezialisierten Designermarke Axor. Der Badmöbelspezialist burgbad will hier neben seinem raumbildenden, Sanitärtechnik und Möbelsystem verbindenden Programm rc40 auch eine veritable Neuheit vorstellen. Und während man früher die Sauna im Keller versteckt hat, machen heutige Design-Saunen – zu sehen etwa bei effegibi – selbst im Wohnzimmer eine gute Figur.

Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.