Ein Stück Einzigartigkeit

Handgearbeitetes für Wand und Boden




Teppiche, Tapeten und Stoffe: Im weiten Feld des Interior Designs stehen sie für Gemütlichkeit. Schnell können wir mit ihnen farbige Akzente setzen, kahle Wände verzieren oder dem Steinboden ein Stück weit Wärme verleihen.

Auch wenn Teppiche meist „von der Stange“ und aus industrieller Produktion stammen, gibt es gerade in dieser Branche noch Hersteller, die auf echte Handwerkskunst nicht verzichten wollen – vor allem dort, wo es aufs Detail ankommt. Dann legen Näher, Weber oder Färber, ja sogar Graveure selbst Hand an und geben den Wohnaccessoires ihren letzten Schliff. Tatsächlich werden auch heute noch viele Fabrikate handgeknüpft, -gewebt, -gestickt oder -gefärbt.

Die Rabari Kollektion von Nanimarquina ist eine aktuelle Serie „aus der Feder“ des britischen Designerpaars Doshi Levien (Das Haus: imm cologne 2012. Nipa Doshis Tante hatte eine Stickereiwerkstatt in Ahmedabad mit sehr qualifizierten Handwerkerinnen, die auch glitzernde Spiegel oder kleine Metall-Pailletten in die Teppiche mit einwebten. Meist in Gruppen gefertigt, nahmen diese Teppiche oft mehrere Tage in Anspruch. Als moderne Reminiszenz soll diese Kollektion eine Erinnerung an die sinnliche und glänzende Welt der indischen Stammesvolksstickerei darstellen. Dabei schwebten dem Designerpaar die kunstvoll handgefertigten Stickereien der Rabaris, einer Nomadengemeinde aus der Kutch-Region, vor.

Noch einen Schritt weiter geht der Schweizer Hersteller Ruckstuhl mit seiner aktuellen Kollektion Maglia: Selbst die hierfür benötigten Fique-Garne werden von Hand gesponnen. Die dadurch entstandene Unregelmäßigkeit des traditionell aus Pflanzenfasern gewonnenen Materials führt in Kombination mit der ebenfalls handwerklichen Verarbeitung zu einem authentischen, griffigen Muster. Die gesamte Herstellung von der Fasergewinnung über das Färben, die Garnspinnerei und das Stricken per Hand findet in Kolumbien statt.

Doch nicht nur am Boden, auch an der Wand ist manchmal Handarbeit vonnöten, wenn etwas Besonderes produziert werden soll. Während beispielsweise der Siebdruck normalerweise maschinell ausgeführt wird, handelt es sich bei dem neuen Stoff Furore aus dem Hause Fischbacher noch um Handarbeit: Flock streuen, Tüll spannen, Kleber auftragen, Schablonen ausrichten – alles geschieht mit Augenmaß und handwerklicher Präzision.

Ebenfalls auf handwerkliches Geschick setzt der niederländische Editeur Chivasso. Der Handwerker faltet das Gewebe von Hand und führt je zwei Stoffstücke zugleich durch die Maschine. Durch das Falten und das Färbeverfahren erhält der Stoff bis zu fünf verschiedene Farbtöne, die auf eine abwechslungsreiche Weise und in verschiedenen Schatteneffekten über die Fläche verteilt sind. Jedes Stück wird dadurch einzigartig. Farben und Muster sind zwar reproduzierbar, wiederholen sich jedoch nie.

Und selbst in der Vorproduktion ist mitunter die Präzision und das Geschick erfahrener Hände gefragt: Als Beispiel hierfür können die unzähligen präzisen Haschuren gelten – feine Oberflächenstrukturen, die durch eine handgearbeitete Gravur- und Ätztechnik auf den Druckwalzen entstehen –, mit denen die Tapeten der Serie Deux von Harald Glööckler für die Marburger Tapetenfabrik hergestellt werden. Auf diese Weise soll der Kollektion eine hochwertige Reliefhaptik verliehen werden. Im Zusammenwirken mit einer raffinierten Farbgebung und irisierenden Pigmenten entstehen Dessins, die an schwere, changierende Moirévorhänge oder an ein dichtes Federkleid erinnern sollen.


Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.