So wohnt die Welt

Spanien


Dass nicht nur Urlauber von einem eigenen Domizil unter der wohlmeinenden Sonne Spaniens träumen, sondern auch die Einheimischen, sollte den Europäern spätestens seit der durch fragwürdige Immobiliengeschäfte verursachten Finanzkrise bewusst geworden sein. Schließlich ist das Haus das Zentrum der Familie, und die Familie ist den Spaniern heilig. Der Garten indes scheint bei den Südländern nicht die gleiche Priorität wie etwa den Engländern oder Deutschen zu haben, denn eine Wohnung mit Balkon tut es – insbesondere in den Städten – eigentlich genauso gut. Wer möchte auch schon unter der prallen Sonne Unkraut jäten und jeden Sommer zusehen, wie der Rasen verbrennt? Da sind der Schatten und die Kühle traditioneller Wohnhäuser und Innenhöfe doch zu bevorzugen.

Für eine Zeitreise durch die spanische Wohnkultur benötigt man weder Raumschiff Enterprise noch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum, denn die ganz normale spanische Wohnung verrät meist genauso viel über das Gestern wie das Heute. Man muss also nur ein paar Leute treffen, die ein paar Leute kennen, die einen dann zu einer „copa”, einem Drink nach Hause einladen. Da allerdings könnte schon die erste Schwierigkeit auftauchen. Denn die Gunst, den Satz „Mi casa es su casa” – „Mein Haus ist Ihr Haus” wörtlich nehmen zu dürfen, muss man sich verdienen. Bis es soweit ist, trifft man sich in der Bar, im Restaurant, auf der Gran Via in Madrid oder dem Paseo de Gracia in Barcelona. Stets wird man herzlich aufgenommen, und selten ergibt sich eine Chance, die eigene Rechnung zu begleichen. Im Gegenzug die Rechnung der anderen einfach mit zu bezahlen, gilt als „pecado mortal”, als Todsünde, und kommt in der Hierarchie der Fettnäpfe gleich nach einem abfälligen Satz über den Stierkampf. Dann kann man sich die Einladung nach Hause gleich abschminken.

Dabei sind Spanier legendäre Gastgeber und spanische Haushalte auf jede Menge Besucher eingerichtet. Zumindest im ländlichen Süden findet sich kaum ein Haus, in dem nicht ein Dutzend Stühle auf Besucher wartet: ordentlich aufgereiht, und immer an der Wand entlang. Das spart Platz und hält den Rücken frei. Dieses Sitzarrangement soll bei der 800 Jahre dauernden Besatzung durch die Mauren übrigens ebenso nützlich gewesen sein wie zu Francos Zeiten.

Wer heute mit dem spanischen Zeitgeist gehen will, zeigt das gerne mit Möbeln von Patricia Urquiola oder Francesc Rifé, mit Teppichen von Nanimarquina oder einem Sofa von Gandia Blasco, oder, besser noch, gleich mit einer Sofa-Pergola vom selben Hersteller, denn Outdoor-Möbel (ideal mit integriertem Sonnenschutz) sind auch in Spanien gefragt. Wobei das Bewusstsein für Design als Kulturgut mit Kultfaktor bei dem normalen Spanier erst ab einer gewissen Objektgröße beginnt: Design = groß und teuer. Alles was kleiner ist als ein Sessel oder Tischchen gilt nach wie vor als netter Schnickschnack. Dafür haben sie ganz offensichtlich viel Spaß an der Vielfalt und an stilistischer Durchmischung.
Spielfreude zeigt sich auch bei der Wahl der Materialien. War früher Holz das durchgängig bevorzugte Material, schreckt der designbewusste Spanier von heute selbst vor einem Stuhl aus Aluminium nicht mehr zurück. Frei nach dem Motto: Gelobt sei, was anders ist. Neben dem Bad, das sich heute öfters als Wellness-Oase zeigt und mit den ehemals steril erleuchteten Räumen mit ihren bodentiefen blauen oder rosa Doppelvorhängen nichts mehr zu tun hat, hat vor allem die Küche große Wandlungen durchgemacht – auch bei vielen Spaniern ist die Hightech-Küche eingezogen.

Bei so viel Lust an der Veränderung darf die Liebe der Spanier zur Tradition natürlich nicht unerwähnt bleiben. Erstaunlicherweise verteidigt auch in neuen Wohnungen und Häusern der gute alte, von Wand zu Wand reichende Einbauschrank hartnäckig seine Position, wenngleich er heute mit Oberflächen aus Glas oder Metall verblüfft. Und der runde Holztisch, unter dessen schweren Brokatdecken sich in Ermangelung einer anderen Heizquelle gemeinhin ein elektrisches Öfchen oder ein Kohlebecken befand, hat keineswegs ausgedient, sondern gilt als herzerwärmendes Gesamtpaket auch in den zentralbeheizten Stadtwohnungen als nostalgisch chic.

Eine große Überraschung und eindeutig trendy ist der exzessive Einsatz der Farbe Weiß. Die alte spanische Wohnkultur ist dem gleißenden Weiß der Städte und Häuser mit satten Erdfarben und Brauntönen im Inneren begegnet. Heute ist es drinnen selbst bei den ewig heruntergelassenen Jalousien so hell wie draußen: weiße Couch, weiße Regale, weiße Sessel, weißes Frühstücksei – Weiß ist Pflicht. Der Gegenstand, der das spanische Wohnverhalten am stärksten verändert hat, ist eindeutig „la tele”, der allgegenwärtige Fernseher. Richteten die Mauren ihre Lagerstätten nach Mekka aus, so gruppieren sich die Spanier von heute in Richtung Fernseher, und der wird genau da aufgestellt, wo auch immer der beste Empfang zu finden ist. Selbst, wenn das der Platz vor dem Fenster mit der besten Aussicht ist.

Selbstverständlich gibt es auch beim Design ein Nord-Süd-Gefälle. Das von Gaudi geprägte Barcelona ist dem maurischen Granada in Akzeptanz und Verbreitung von Design eindeutig überlegen, Valencia nimmt als Design-Metropole ohnehin eine Sonderposition ein, und in Madrid gilt schon wieder als überholt, was in Albacete noch gar nicht als nuevo diseno wahrgenommen wurde. Wohltuend und allgegenwärtig hingegen ist der entspannte Umgang mit dem Thema Design. Der Spanier an sich, egal, ob in Madrid, Granada oder Albacete, lässt sich auch von frisch gekrönten Designikonen nicht vorschreiben, was ihm gefällt. Er mischt, konterkariert und akzentuiert Stile, Stücke und Materialien gerade so, wie es ihm gefällt. Und erfüllt dabei so ganz nebenbei das Credo des spanischen Star-Designers Jaime Hayón: „Es kommt gar nicht darauf an, wie man sich einrichtet, Hauptsache ist, man erkennt sich darin wieder und fühlt sich zuhause.”

Spanische Aussteller auf der imm cologne 2014:

Bedding Industrial Begudà S.L.

09.1

B071

www.beddingindustrial.com

Cerámicas Aparici S.A.

11.2

N010

www.aparici.com

Expormim S.A.

03.2

D039

www.expormim.es

Mobil Fresno S.L.

11.2

K031

www.mobilfresno.com

Gandia Blasco S.A.

11.1

E031 E033

www.gandiablasco.com

nanimarquina S.L.

03.2

D042

www.nanimarquina.com

SUÁREZ

08.1

C046

www.szsuarez.com

TRASMAN PENEDES S.L.

08.1

C030

www.trasman.com

Meubles Treku S.A.

03.2

D042

www.treku.es

VONDOM, S.L.U. 

03.2

D041

www.vondom.com

 Aktueller Stand: 19.11.2013 Änderungen vorbehalten.

Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.