Viva Colonia – eine kulturelle Einführung

Wenn Besucher die Koelnmesse verlassen, durchqueren sie den Südeingang, das so genannte „Tor zur Welt“. Dort ist das Messegeschehen vorbei. Was passiert nun in der Welt jenseits des Messeplatzes?


Reiseführer empfehlen: Überqueren Sie den Rhein über die Hohenzollernbrücke, steigen Sie auf die Spitze des Doms, besuchen Sie das Römisch Germanische Museum. Wo aber finde ich die Menschen, die Sitten, den Flair der Stadt? Der Kölner an sich wird den Dom selten hinaufgestiegen sein – vielmehr dient der alle Häuser überragende Gigant meist dazu, sich in der Stadt zu orientieren. Und wozu überhaupt hunderte Treppen des Doms hinauf steigen, wenn man ihn in ganzer Pracht von der per Fahrstuhl erreichbaren Aussichtsplattform des „Köln Triangle“ aus bewundern kann?

Außerhalb des Très-chic-Ambientes der Koelnmesse prunkt der Rest von Köln eher in einer „trash“-schicken Art. Hier ist der Mensch noch Mensch. Nur wer Köln über das Standard-Sightseeing-Programm hinaus kennenlernt, wird erleben, wie der Kölner „kölsch“ lebt, spricht und gleichzeitig trinkt. „Kölsch“, so heißt hier das Bier, die Sprache und die Lebenseinstellung. Die Sprache ist gerade in den Kneipen und Brauhäusern kaum zu überhören: „Trink doch eene mit!“ (Trink doch ein Bier mit!) wird hier lauthals gebrüllt, während der Ur-Kölner bei einem frisch gezapften „Kölsch“ sitzt. Hier treffen sich alte Freunde, und es werden neue Freundschaften geschlossen – bis das Kölsch-Glas wieder leer ist.

Nicht nur die römische Vergangenheit macht Köln so urig, es ist auch die kölsche Lebenseinstellung: „Et kütt wie et kütt.“ (Es kommt wie es kommt – hab keine Angst vor der Zukunft) und „Et hätt noch immer jot jejange.“ (Es ist noch immer gut gegangen – lerne aus der Vergangenheit) lauten zwei der elf Artikel des zwar nicht offiziellen, gleichwohl aber allgemein gültigen „Kölschen Grundgesetzes“. Der Kölner ist trotz seiner dörflichen Art stets für Neuerungen offen, die Stadt ist schnelllebig und flexibel. So ist es nicht verwunderlich, dass die Koelnmesse in diesem umtriebigen Umfeld zu einem internationalen Ausstellungsort für diverse Wirtschaftszweige werden und dass die Stadt sich als Standort für Medien und Serviceunternehmen profilieren konnte, die sogar einen eigenen Park in bester City-Lage erhalten haben: den Media-Park. Auch von hier aus kann man übrigens eine hervorragende Aussicht auf den Kölner Dom genießen, wenn man nur hoch genug aufsteigt.

An Karneval demonstrieren die Bürger der Stadt ihre kreative Feierlaune, wenn sie sich fünf Tage lang verkleiden, das Lied „Viva Colonia!“ grölen (ein Titel der Kölner Mundart-Band „De Höhner“) und am Ende den „Nubbel“ verbrennen (eine Strohpuppe, die als Sündenbock stellvertretend für die in den Narrentagen verübten Sünden verurteilt und hingerichtet wird). Der Anlauf auf den karnevalistischen Höhepunkt im Februar beginnt bereits im November, und zwar mit einer Schnapszahl, dem 11.11., und nimmt während der folgenden Monate ständig an Fahrt auf, weshalb die Besucher der imm cologne mit etwas Glück schon im Januar mehr oder weniger freiwillige Zeugen der ersten Karnevalssitzungen und –Trinkgelage werden können. Doch auch sonst wird in Köln wie verrückt gefeiert. Events unter Brücken, in Fabrikscheunen oder auf Künstler-Schrottplätzen erfreuen sich hier großer Beliebtheit.

Trotz aller Großstadt-Rasanz und moderner Aufgeschlossenheit pflegt der Kölner ein traditionelles Bewusstsein. Köln ist unter allen großen Städten das kleinste Dorf. Jedes Stadtviertel hat eine Stammkneipe, und auch Straßenfeste sind keine Seltenheit. Auf dem Grundsatz „Man kennt sich, man hilft sich“ basiert auch der „Kölsche Klüngel“ (ein System von auf Gegenseitigkeit beruhenden Hilfeleistungen), mit dessen Hilfe der Kölner sich gelassen durch den Alltag schunkelt.
Der Rhein spaltet die Stadt nicht nur geografisch in eine linke und eine rechte Rheinseite, die als „Schälsick“ verspottet wird, in den letzten Jahren aber gewaltig aufgeholt hat. Und sowieso: Wenn der 1.FC Köln das Fußballfeld betritt, werden sich die zwei Hälften Kölns sofort wieder einig. Ob in der ersten oder zweiten Liga, die Kölner tragen den FC stets in ihrem Herzen und spielen auch hier wieder verrückt: Das Maskottchen des Vereins ist ein lebender Geißbock. Wenn Maskottchen „Hennes“ ins Gras beißt, bekommt es umgehend einen Nachfolger. Mit diesem päpstlichen Prinzip ist der Verein mittlerweile bei „Hennes VIII.“ angelangt. Wer jedoch auch außerhalb der Saison von den falschen Vorurteilen gegen die Schälksick Urlaub nehmen möchte, begibt sich am besten an die Ufer des Rheins und genießt die Biergärten, die Wiesen, die Kranhäuser oder die Rheinterrassen und durchlebt zu guter Letzt die wichtigste der Kölner Facetten: die rheinländische Frohnatur.

Mehr Informationen finden Sie auf
www.imm-cologne.de // www.livinginteriors-cologne.de

Das nächste Messedoppel
imm cologne // LivingInteriors findet statt vom:
13.-19. Januar 2014

Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.