Editorial: Willkommen in einer fremden Welt




Wieder einmal stehen wir in Vorbereitung der imm cologne. Und spätestens mit dem letzten Design-Event, dem entschleunigenden „Haus“ von Lousie Campbell, ist klar, dass dieses Format ein echtes Highlight der internationalen Designwelt ist, das unsere besondere Aufmerksamkeit verdient. „Das Haus“ hat sich als so vielseitig und faszinierend erwiesen wie die Persönlichkeiten, die ihre Seele hineinlegen. Sie zeigen uns mit ihren „Häusern“ nicht nur, was in der Designszene gut und richtungweisend ist, sondern auch, was man mit den Produkten, die wir auf den Messen sehen, machen kann. Dafür sind wir all unseren bisherigen Guests of Honor zu Dank verpflichtet!

2015 wird ein neues Kapitel aufgeschlagen – ein Kapitel wie aus einem Thriller, mit überraschenden Perspektiven, Wendungen und Ausblicken. Labyrinthisch, poetisch, voyeuristisch. Schon bevor wir die ersten Entwurfsskizzen von Neri&Hu gesehen hatten, war uns klar, dass „Das Haus“ 2015 ein völlig anderes Gesicht tragen wird als die bisherigen Häuser. Nicht nur, weil es dieses Mal von Gestaltern interpretiert wird, die vornehmlich als Architekten arbeiten, sondern auch, weil es die imm cologne-Besucher in eine andere Kultur mitnimmt.

Dabei meine ich nicht einmal so sehr die traditionelle chinesische Wohnkultur – denn die ist an den modernen, äußerst progressiven Projekten des Architektur- und Designbüros Neri&Hu nur noch implizit ablesbar –, als vielmehr eine Kultur der scharfen Wahrnehmung, der Synthese und der Neuinterpretation. Die Ästhetik von Neri&Hu ist einmalig, und sie stehen als Architekten nicht umsonst gleich neben Größen wie Zaha Hadid Architects im internationalen Fokus der Fachwelt. Andererseits ist ihr Beispiel auch typisch für die ästhetische Avantgarde Chinas, in der nicht etwa stumpf Traditionen fortgeführt oder Entdecktes abgekupfert wird, sondern ganz neue Wege gesucht werden.

Europa und die westliche Wohnkultur tritt uns in den Architekturen und Interiors von Neri&Hu durch eine fremde Designkultur gefiltert entgegen. Hinzu kommt ein ständiges Bewusstsein um die Gegensätze, die die chinesische Kultur bestimmen. Bei Neri&Hu werden sie nicht verleugnet oder übertüncht, sondern auf eine ganz eigene Art integriert.

Und darum können wir uns, denke ich, auf das Experiment „Das Haus“ 2015 ganz besonders freuen.

Ihr Markus Majerus


Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.