Licht, in Form gepresst

Mit Licht können wir eine bestimmte Stimmung erzeugen oder dekorative Akzente setzen. Doch nicht nur Kerzenschein oder indirektes Licht können für das richtige Feeling sorgen. Das Spiel mit Licht und Form ist für Designer schon immer eine Herausforderung gewesen. Besonders dann, wenn es das Objekt selbst ist, das leuchtet und damit dem Raum eine besondere Atmosphäre verleiht.




Besonders seit der Marktfähigkeit der Leuchtdioden sind Lichtmöbel auf dem Vormarsch. Wurde die Illumination zuvor nur in Schränken als Hintergrundbeleuchtung oder – wie der berühmte Alibert – im Bad zur Ausleuchtung des Waschbereichs eingesetzt, ermöglichen LEDs heutzutage alle erdenklichen Lichtszenarien. Eingesetzt im Interieur wird das Möbelstück so selbst zum Leuchtmittel und bescheint andere Objekte oder umschließt, etwa als Sessel, seinen Nutzer regelrecht mit Licht.

Den Anfang nahmen die leuchtenden Möbel mit Lichtboards, leuchtenden Regalböden, die solitär an der Wand befestigt werden konnten. Bereits vor gut zehn Jahren hat etwa Gera mit seinem Lichtsystem3 versucht, den Markt zu erobern. Doch zu Beginn war der Gedanke vom Lichtboard vielen Menschen noch zu ungewohnt. „Die Resonanz im Markt war lange Zeit eher verhalten“, berichtet Thomas Ritt, Designer und Produktmanager für Gera Leuchten, „denn Lichtmöbel waren neu und unterschieden sich grundlegend von bislang bewährten Beleuchtungskonzepten. Heute zeigen Gespräche und die konkrete Auftragsentwicklung in unserem Hause eindeutig, dass der Küchen- und Möbelmarkt die Vorteile der Lichtmöbel in den letzten Jahren für sich erkannt hat und jetzt reif für das Konzept Lichtmöbel ist.“

Mit einem breit gefächerten Lichtmöbelsortiment kann beispielsweise Slide aufwarten. Ob Sessel, Sofas, Tische, Barelemente, Outdoor oder Accessoires – der italienische Möbelhersteller hat für fast alle Bereiche des Wohnens etwas zu bieten. Die Produkte des Unternehmens bestehen aus recyclebarem Polyethylen. Der Kunststoff wird im Rotationsverfahren verarbeitet und lässt sich in vielfältigen Formen gestalten.

Mit Natevo hat der ebenfalls italienische Möbelhersteller Flou gleich eine eigene Marke für seine leuchtenden Möbel gegründet. Mit leuchtenden Regalen, Tischen oder Sesseln erregte Natevo schnell Aufsehen. Nicht nur, dass die teilweise aus einer feinen Netzstruktur bestehenden Möbel selbst Licht spenden, auch das Konzept der Marke ist ungewöhnlich. Denn der Kunde ist am Entstehungsprozess der Kollektion beteiligt. Nur die Produkte, für die genug Kunden ihre Stimme abgeben, geht in Serie – ein leuchtendes Beispiel für demokratisches Design bzw. „crowd-funding“. Zudem können Kreative auch ihre eigenen Entwürfe zur Wahl stellen.

Auch in der Küche lassen Möbel den Raum erstrahlen. In besonderen Fällen kann sogar Furnier für den erhellenden Effekt sorgen. Ein Beispiel hierfür lieferte die Karlsruher Tischlerei a-mano. In der modern gestalteten Küche zieht ein 1,70 Meter breiter, mit flächig hinterleuchtetem Olivenholz versehener Oberschrank die Blicke auf sich. Um die runden Formen des Oberschranks gestalten zu können, wurde vlieskaschiertes Furnier verwendet. Die Hinterleuchtung wurde in die Front eingebaut, sodass sich das im Schrank befindliche Geschirr nicht durch das Furnier abzeichnet.

Genauso wie Licht dienen auch Stoffe seit jeher dazu, im Wohnraum für Behaglichkeit und eine wohnliche Atmosphäre zu sorgen. Dass man beide Elemente auch vereinen kann, zeigt der Schweizer Stoff-Editeur Création Baumann mit seinem Geflecht eLumino. Der technisch raffinierte Vorhangstoff kann auf Maß geschnitten und verarbeitet werden und macht aus einem „normalen“ Fensterkleid einen leuchtenden Wandbehang. Durch die dimmbaren Lichtspiele auf dem fließenden, bewegten Stoff entstehen textile Lichtskulpturen.

Bei aller Innovationskraft, die die Leuchtmöbel mit sich bringen, stellt sich doch die Frage: Wie sieht das gute Stück aus, wenn es gerade nicht leuchtet? Denn wie auch bei Lampen selbst dürfte hier der Grundsatz gelten: Auch in ausgeschaltetem Zustand muss das Produkt ansprechend aussehen. Ein aufregendes neues Feld also für Möbeldesigner. Schon auf der nächsten imm cologne im Januar 2015 dürften sich hier erste Trends abzeichnen.

In der Regel wird das Licht solcher Möbel zudem nicht ausreichen, einen Raum komplett auszuleuchten. Deshalb wird die Zukunft zeigen, welche Lösungen für eine gelungene Kombination mit zusätzlichen Lichtquellen gefunden werden. Denn auch hier kommt es, wie überall im Interior Design, auf das richtige Zusammenspiel an. Wie also werden die Leuchtmöbel mit der herkömmlichen Raumillumination harmonieren? Schließlich: Wer einen starken Akzent auf die Lichtinszenierung setzt, dem dürfte auch hier eine perfekte Symbiose wichtig sein. Möbel und Leuchten werden also auch weiterhin als Partner auftreten.


Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.