Vooking: Die perfekte Küche für fleischlose Kost




Vooking. Ein Begriff, der sich anhört wie ein neuer Tanzschritt aus New York und hinter dem sich doch eine äußerst interessante Fragestellung verbirgt: Braucht ein vegetarischer Koch eine andere Küche als jemand, der traditionelle Hausmannskost fertigt? Dies ist die Frage, der sich ein interdisziplinäres Projekt-Team aus Industrie- und Möbeldesignern, einem Koch und einem Tischler stellte. Die Antwort war schnell gefunden und lautet „Vooking“. Etwas länger dauerte es, aus der Idee einen Prototyp zu entwickeln.

Doch der Reihe nach: Dass Vegetarismus ein Wachstumsmarkt ist, ist schwer zu übersehen. Der Vegetarier Bund Deutschland (VEBU) geht davon aus, dass in Deutschland rund sieben Millionen Vegetarier leben. Das sind rund neun Prozent der Bevölkerung. Hinzu kommen noch 900.000 Veganer, also Menschen, die nicht nur auf Fleisch, sondern auf sämtliche Tierprodukte verzichten. Und natürlich die Flexitarier, also die sogenannten Teilzeit-Vegetarier, die nur gelegentlich Fleisch in Bio-Qualität verzehren. Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich die Zahl der vegetarisch oder vegan lebenden Menschen in Deutschland mehr als verzehnfacht.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: „Viele bevorzugen vegetarische Kost mittlerweile wegen der Gesundheit – zum Beispiel die Gruppe der Best Ager – oder wegen der Nachhaltigkeit und dem eigenen ökologischen Fußabdruck. Etliche entscheiden sich aber auch aus purem Genuss und der höheren Lebensmittelqualität für diese Ernährung“, erläutert der österreichische Industriedesigner Mario Zeppetzauer. Während die Landwirtschaft und die Fleischindustrie sich längst auf den Trend einstellen mussten, betraten Zeppetzauer und sein Team Neuland, und zwar mit großen Zielen: Mit dem Projekt Vooking will er zeigen, dass Küchendesign vegetarischen Köchen die Arbeit erleichtern und, so Zeppetzauer, „die Zukunft der Ernährung und des Kochens positiv beeinflussen kann“.

Zeppetzauer betreibt gemeinsam mit Stefan Degn die Designagentur formquadrat, die vom Red Dot „best of the best“ Award bis zum iF design award in Silber schon so ziemlich alle Designpreise im Regal stehen hat, die die Branche bietet. Für das Projekt Vooking, übrigens eine Abkürzung von Vegetarian Cooking, taten sich die beiden mit dem Möbeldesigner Stefan Radinger, dem Koch Harald Hochettlinger und dem Tischler Gerhard Spitzbart zusammen. Gemeinsam überlegte man, wie eine Modellküche für vegetarisches Kochen aussehen müsste. Das Ergebnis ist Vooking – ein Design, das das Thema von Grund auf neu denkt und während dessen Entwicklung zahlreiche Innovationen und sogar zwei Patente entstanden.

Ein paar Beispiele: Beim vegetarischen Kochen werden deutlich mehr Lebensmittel gereinigt und gewaschen. Das wurde beim Design der neuartigen 2-Beckenspüle berücksichtigt, die mit Randzonen ausgestattet und außerdem modular und flexibel ist. Ebenfalls in die Spüle integriert ist eine Vorrichtung, mittels der man gezielt keimen kann. Während man für herkömmliche Gerichte mit circa 20 Gewürzen auskommt, braucht gekonnte vegetarische Kost bis zu 50 verschiedene Gewürze. Vooking bietet Platz für 36 Gewürze auf einen Blick, hochwertig in Keramikgefäßen gelagert mit integriertem Mörser. Auch Getreide steht im Fokus der Modellküche: Aus Getreidesäcken kann es mit einer integrierten Waage portioniert werden. Die Getreidemühle ist wie ein Einbaugerät konzipiert und erfüllt, wie auch der Rest der Küche, höchste Ansprüche an modernes Design. Indoor Farming für den Anbau frischer Kräuter und Gewürze gehört ebenso zu der Ausstattung wie eine Kühlung, die sich den verschiedenen Lebensmitteln anpasst.

Bis der Prototyp von Vooking, der mit einer ganzen Reihe von Kooperationspartnern (Gaggenau, TEAM 7, Dornbracht, Eisinger Swiss/Franke, Cosentino, Pfeffersack & Soehne, SFK Tischler, IMPULSE Förderprogramm) unterstützt wurde, Marktreife erlangt hat, wird es noch ein wenig dauern. Doch auf der LivingKitchen 2015 kann man sich ein Bild davon machen, wie revolutionär das Küchenkonzept ist. Dort wird diese Küchenstudie zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.


Quelle: Koelnmesse. Abdruck honorarfrei.